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Kennzeichnen/Vermeiden doppelter Anrechnung sauberen Stroms über Sektorengrenzen

GermanZero GermanZero  •  2021-03-15  •    17 Kommentare  • 
Zuverlässige Bilanzierung grünen Stroms als wichtiger Baustein der Energiewende
Zuverlässige Bilanzierung grünen Stroms als wichtiger Baustein der Energiewende

Hintergrund

Am Einsatz von Strom aus erneuerbaren Energien in allen Sektoren als Ersatz für fossile Energieträger führt kein Weg vorbei. Dabei muss jedoch verhindert werden, dass der Einsatz von erneuerbar erzeugter Energie in einem Sektor nach der Übertragung und Nutzung in einen weiteren Sektor nochmals angerecht werden kann. Vielmehr sind Mechanismen nötig, die sicherstellen, dass zum Beispiel bei der Überprüfung von Treibhausgasminderungszielen die erneuerbare Energiemenge in nur einem Endverbrauchssektor Berücksichtigung findet. Ebenso darf auf europäischer Ebene die eingesetzte Menge von erneuerbarer Energie nur in einem Mitgliedstaat berücksichtigt werden, wenn die Energie ihren Weg in weitere Mitgliedstaaten findet.

Die Ansätze

Um dies sicherzustellen, schlägt das Maßnahmenpaket von GermanZero unter anderem folgende Möglichkeiten vor:

  • Auf nationaler wie europäischer Ebene sollte anhand nachvollziehbarer und erfüllbarer Kriterien ein Nachweissystem für den Einsatz von Strom aus erneuerbaren Energien eingeführt werden, damit Strom auch zuverlässig als "grüner" Strom vermarktet werden kann und bei der Einspeisung ins Netz seine grüne Eigenschaft nicht verliert.
  • Mithilfe sortenreiner Bilanzkreise oder einer Anpassung der Herkunftsnachweise hin zu Zeitgleichheit von Erzeugung und Verbrauch kann eine sektorübergreifende Wirkung des Stroms aus erneuerbaren Energien gesichert werden.

Diskutiere unten in den Kommentaren

Welche Chancen und Risiken bieten hier vorgestellten Ansätze für den Wandel zu einer klimaneutralen Gesellschaft?

Welche Herausforderungen müssen berücksichtigt werden?

Kommentare (17)

Für den Sektor "Energie" haben wir die Kommentierung am 22. April beendet. Die Ergebnisse werden jetzt für die weitere Gesetzesarbeit ausgewertet.

  • Christoph Droste

    Warum muss hier überhaupt ein kompliziertes und schwer transparent zu machendes System eingeführt werden? Warum sind erneuerbare Energien nicht das neue Normal und fossile Energieen müssen ihre Nütlichkeit trotz stark steigenden CO2-Preise erweisen. Dies könnte in einer strikten Trennung in die verschiedenen Energieherkünfte münden. Ein Unternehmen darf nur Strom einer bestimmten Herkunft (staatlich zertifiziert) verkaufen. CO2-belastete Stromerezugung bleibt bei einem an der Quelle (d.h. bei einem Unternehmen, das z.B. Kohle in Strom verwandelt) abzuführenden CO2-Preis (der vielleicht anders als in anderen Sektoren gestaltet werden kann) nur so lange konkurrenzfähig, wie nicht genügend EE-Strom vorhanden ist und der CO2-Preis noch nicht hoch genug ist.

      • Oliver (Moderator*in)

        Lieber Christoph, eigentlich ist das schon so. Die Konzerne der Energiebranche, die also Strom erzeugen, müssen seit längerem schon Co2-"Verschmutzungsrechte" kaufen. Dieser EU-weite Emissionshandel war aber aufgrund fehlender Knappheit dieser Rechte bislang unwirksam (teilweise unter 5€/t). Erst 2019 wurden die Rechte verknappt und die Preise zogen an, letztes Jahr jaufte RWE noch günstig Rechte für deren Kohlekraftwerke bis etwa 2030, was zu einem Kurssprung auf fast 50 € führte. Also immer noch nicht viel.
        Der jetzt national hinzugekommene CO2-Preis betrifft nur den Endkundenmarkt mit fossilen Energieträger, der vom EU-Emissionszertifikatehandel bislang ausgenommen war.
        Das Energierecht insgesamt ist einfach extrem komplex und muss natürlich vereinfacht und der CO2-Preis wirksam und planbar auf alle Branchen angewendet werden.
        Das hier angesprochene Problem ist eher die andere Seite, nämlich die Ausweisung der Einsparungen im Vergleich zu 1990, die in der internationalen Klimapolitik eine Rolle spielen.
        Das Ganze ist also historisch gewachsen. Am Ende hast Du natürlich recht, dass man eigentlich nur eine CO2-Zählweise braucht... LG!

  • Norbert

    Ich glaube das angesprochene Problem zu verstehen, doch scheint mir die Ursache intransparent zu bleiben und damit ist es schwer, wirklich an den Ursachen zu arbeiten statt an den Symptomen. Vielleicht kann man es mit den Erkenntnissen und Lösungen im Finanzmarkt besser verstehen? Indem dort die Eigenkapitalanforderungen erhöht werden, reduziert man die Blasen-Geschäfte. Übertragen auf den Energiesektor: Wenn alle Erzeuger mit einer planmäßig wachsenden Direktvermarktungsauflage belastet werden, sinkt evtl. (laut Theorie) die Markteffizienz, doch werden auch Auswüchse durch derivate Geschäfte begrenzt, die hier nun wieder durch zusätzliche Transaktionskosten reguliert werden sollen. Der direkte Weg verhindert die Entfremdung, schafft Vertrauen und eine Rückkopplung an die natürlichen Lebensgrundlagen, ohne die verschleiernden Umwege über Finanzsysteme und Handelsblasen zu nehmen.

      • Oliver (Moderator*in)

        Lieber Norbert, dieses Problem tritt u.a. auf, wenn im Gebäudesektor die Wärme mithilfe von nach EEG vergüteter Biomethan-KWK gewonnen wird. In diesem Fall kann sich der Gebäudebetreiber die CO2-Minderung nach Bilanzierung gemäß Gebäudeenergiegesetz gutschreiben. Gleichzeitig wird EEG-Strom mit 0 g/CO2 ins Netz eingespeist und mindert dort die Emissionen durch Verdrängung von kohlehaltigem Grundlastmix.

        Während es natürlich Sinn macht KWK im Gebäudebereich (also beim Errichter und Betreiber der Anlage) zu fördern darf dann die Emissionsreduktion nicht nochmal im Stromsektor angerechnet werden. Hier existieren keine klaren Vorschriften, welchem Sektor die über KWK geminderten Emissionen zugeschrieben werden - Strom oder Wärme.

        Die Minderung als relative Änderung ist dabei aber nur die eine Seite. Die absoluten Emissionen sollten hier vorrangig betrachtet werden. Hierfür existieren mögliche Allokationsregeln, bspw. über den Wirkungsgrad oder den Exergiegehalt. Diese können dann wieder mit einem Referenzwert verglichen werden, um Minderungen auszuweisen. Langfristig sind möglichst geringe absolute Emissionen aber das Ziel.

        Ähnliches kann passieren wenn eine PV-Anlage Strom einspeist und Emissionen durch Verdrängung scheinbar gemindert werden, gleichzeitig aber eine Wärmepumpe wiederum Strom verbraucht, ggf. mit höheren Grenzemissionen. Wichtig ist hierbei wiederum eine möglichst absolute Betrachtung der sektorweisen Emissionen, wobei eben auch bei der Wärmepumpe entschieden werden muss, ob die Emissionen dem Strom- oder Wärmesektor zuzurechnen sind. Dort tauchen sie ggf. in beiden Sektoren auf.

        Die Beispiele machen die Probleme deutlich die zum einen mit dem Begriff Klimaneutralität und zum anderen besonders im Zusammenhang mit Sektorenkopplung auftreten. Absolut betrachtet emittieren auch erneuerbare Energiequellen im Lebenszyklus Treibhausgase, relativ führen sie aber zu Einsparungen und sind damit Klima-positiv. Beides muss abgebildet werden. LG!

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