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Sanierungsverpflichtungen ausweiten

GermanZero GermanZero  •  2021-04-23  •    10 Kommentare  • 
Fassadendämmung (rechte Haushälfte) ist der wirksamste Weg, Energie zu sparen
Fassadendämmung (rechte Haushälfte) ist der wirksamste Weg, Energie zu sparen

Effizienzklasse B als Standard

Die größten Einsparungen im Gebäudebereich lassen sich durch eine möglichst schnelle Sanierung der Bauten mit dem höchsten Energieverbrauch erzielen. Eine der wichtigsten Maßnahmen des 1,5-Grad-Gesetzespakets in diesem Sektor bezieht sich deshalb auf Altbauten, die bislang nur teilweise oder gar nicht energetisch saniert sind. In Deutschland fallen rund 30 Prozent aller Wohnflächen in die "schlechtesten” Energieeffizienzklassen G und H. Sie haben einen Energiebedarf von mehr als 200 bzw. mehr als 300 Kilowattstunden pro Quadratmeter und Jahr.

Für diese Gebäude sieht das 1,5-Grad-Gesetzespaket folgendes vor:

  • Energetische Sanierung auf Effizienzklasse B: Gebäude, für die aufgrund der “schlechten” i Energieeffizienzklasse ein individueller Sanierungsfahrplan erstellt werden musste, müssen innerhalb von fünf Jahren nach Erstellung des individuellen Sanierungsfahrplans energetisch so saniert werden, dass ihr Endenergieverbrauch auf den Standard der Energieeffizienzklasse B (≤ 50 kWh/m2*a) abgesenkt wird, sofern dies rechtlich (Denkmalschutz) und technisch möglich ist.  Dabei ist der Eigentümerin überlassen, wie sie dies erreichen will.  Bestehende Förderungen werden aufgestockt, wenn der im individuellen Sanierungsfahrplan (hier vorgestellt) empfohlene Weg eingeschlagen wird.
  • Klimaabgabe: Wenn der Endenergieverbrauch nicht gesenkt wird, muss eine Klimaabgabe gezahlt werden, die sich am CO2-Ausstoß des Gebäudes orientiert. Die Überprüfung und der Vollzug dieser Verpflichtungen erfolgt durch die nach Landesrecht zur Durchführung des GEG zuständigen Behörden (i. d. R. untere Baubehörde).
  • Härtefälle: In Härtefällen werden Gebäudeeigentümer*innen durch einen Fonds unterstützt, in den sowohl der Staat als auch Gebäudeeigentümer*innen in Form eines "Klimazinses” einzahlen.

Diskutiere unten in den Kommentaren

Welche Chancen und Risiken bieten hier vorgestellten Maßnahmen für den Wandel zu einer klimaneutralen Gesellschaft?

Welche Herausforderungen müssen berücksichtigt werden?

 

Kommentare (10)

Für die Sektoren "Gebäude & Wärme" und "Industrie" haben wir die Kommentierung am 18. Mai beendet. Die Ergebnisse werden jetzt für die weitere Gesetzesarbeit ausgewertet.

  • Christine

    Ich halte energetische Gebäudesanierungen an Gebäuden mit sehr schlechter Wärmedämmung grundsätzlich für eine sinnvolle Maßnahme um den Heizenergieverbrauch zu senken. Aber eine Verpflichtung zur energetischen Gebäudesanierung darf nicht dazu führen, dass Immobilienbesitzer:innen, die ihre Immobilie selbst bewohnen, sich verschulden müssen oder sogar ihr Zuhause verkaufen müssen und dadurch ihre Altersabsicherung verlieren. Ich bewohne eine kleine Eigentumswohnung in einem Altbau und fürchte mich vor teuren Baumaßnahmen, die ich mir nicht leisten kann, wenn ich demnächst in Rente gehe, welche nach Kindererziehungszeiten und Teilzeitarbeitszeiten gering ausfallen wird.

      • Klimo

        Das ist aus meiner Sicht ein guter Punkt.
        Ich würde vorschlagen, wenn man sich für eine Pflicht entscheidet zumindest eine Priorisierung von älteren, großen Objekten vorzunehmen. Zum einen sind die Kapazitäten der Handwerker wohl zunächst begrenzt, und man verliert sich nicht im Klein-Klein mit kleinen Einzelaufträgen. Außerdem teilen sich in großen Objekten die Kosten besser auf die Eigentümer bzw. stecken liquide Immobilienfirmen dahinter. Damit würde die Härtefallfond zunächst auch entlastet und man hätte einen Quick-Win.
        Ob eine rechtliche Verpflichtung aber überhaupt nötig ist, müsste man ebenfalls klären, denn über die Maßnahmen im Energie-Bereich (CO2-Bepreisung, etc.) erreicht man ja eh eine Lenkungswirkung hin zur Sanierung von besonders schlecht gedämmten Gebäuden.
        Der in der Maßnahme vorgeschlagene Härtefallfond scheint aber (ob nun Pflicht oder nicht) sinnvoll, damit auch Eigentümer mit geringer Liquidität auch Sanierungen vornehmen einsparen können (Finanziell könnte sich dieser Fond eigentlich auch fast selbst tragen können, wenn man nach Inanspruchnahme einen Großteil der gesparten Energiekosten über einen entsprechenden Zeitraum später wieder einzahlt).

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      • Arnold Drewer

        es gibt Maßnahmen, die zwischen 1.000 und 2.000 € kosten (Dämmung OGD). Und Dämmungen von Wänden (Kerndämmung zweischaliges Mauerwerk), die max. 3.000 € kosten. Diese kann man - bei ROIs von 5 Jahren - durchaus vorschreiben. Der Haken: die Verfahren sind kaum bekannt!

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  • Stephan321

    Ich fände, das Schlimmste wären Pflichten mit Datum ohne Finanzmittel. Die Leute müssen ja auch eine Cahnce haben, nicht nur Repressalien. Selbst ohne Datum ("bei der nächsten größeren Renovierung") führt eine Zusatzflicht eher dazu, daß eine "nächste größere Renovierung" dann aus Geldgründen eher aufgeschoben wird.
    Der technisch schöne Vorschlag "mach doch einfach alles gleichzeitig: Dämmung, Heizung, Solaranlage" ist finanziell für normale Eigenheimbesitzer nicht machbar, bei Eigentumswohnungen noch nicht mal organisatorisch, selbst wenn einer es könnte, aber eben die andere nicht.

    Wenn der Staat entscheidet, warum bezahlt nicht der Staat dafür? Dafür, daß man eine funktionierende Heizung vorzeitig rauswerfen muß (und man kann sie nicht mal gebraucht verkaufen, weil es ja im ganzen Land nicht mehr eingebaut werden soll), dafür müßte man eigentlich Entschädigung bekommen. Kohlekonzerne bekommen Entschädigungen, so daß sie praktisch ohne Schaden wegkommen, aber für eine neue Heizung soll man (jetzige Förderung abgezogen) immer noch rund 15.000€ berappen und irgendwo herzaubern. Durch Brennstoffwechsel spart man auch nicht unbedingt laufende Kosten. Auch durch Drohungen mit bald teurem CO2-Preis hat man ja heute nicht plötzlich Geld parat.

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  • PeterausSaarbrücken

    Mit einer Sanierung werden Mieten erhöht, was in der Diskussion bedacht werden muss. Selbstverständlich werden dadurch Kosten gespart, welche weitergeben werden sollten. Ist ein Klein Vermieter damit überfordert oder einfach zu alt dazu sollte er durch ein Gesetzt nicht dazu gezwungen werden. Neubauten, Wohnkomplexe ab 20 Einheiten sind da strenger zu bewerten.

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  • Arnold Drewer

    zumindest niedriginvestive Dämmverfahren (die allesamt einen ROI von unter 10 Jahren haben), sollten verpflichtend werden. Wenn eine Maßnahme - z.B. die Dämmung der OGD - nur zwischen 1.000 und 2.000 € kostet und einen ROI von 5 Jahren hat, kann man sie durchaus auch vorschreiben. Dasselbe gilt für die Kerndämmung von zweischaligem Mauerwerk, der Drempeldämmung, der Dachdämmung von Bungalows (energetisch katastrophale Gebäude!) und Gebäudetrennfugen

      • Klimo

        Ja, guter Punkt auch noch mal die verhältnismäßig güstigen Verfahren als Quick-Win anzusprechen. Muss ja im ersten Schritt nicht immer gleich direkt Effizienzklasse B rauskommen.
        Zumindest für OGD müsste vermutlich gar viel neu geregelt werden, denn seit 1.11.2020 gilt das Gebäudeenergiegesetz mit §47 Absatz 1 (und auch vorher schon die EnEV 2013, auf Grund derer ich bei mir unterm Dach neu dämmen musste):
        "Eigentümer eines Wohngebäudes sowie Eigentümer eines Nichtwohngebäudes, die nach ihrer Zweckbestimmung jährlich mindestens vier Monate auf Innentemperaturen von mindestens 19 Grad Celsius beheizt werden, müssen dafür sorgen, dass oberste Geschossdecken, die nicht den Anforderungen an den Mindestwärmeschutz nach DIN 4108-2: 2013-02 genügen, so gedämmt sind, dass der Wärmedurchgangskoeffizient der obersten Geschossdecke 0,24 Watt pro Quadratmeter und Kelvin nicht überschreitet..." (Allerdings in Absatz 3 mit einem Bestandsschutz für kleine Gebäude, die sich schon länger als 2002 im eigenen Besitz befinden) -> https://www.gesetze-im-internet.de/geg/__47.html

        Das könnte man jetzt ggf. um Dämmung für zweischaliges Mauerwerk (und die weiteren unten im anderen Kommentar noch vorgeschlagenen Dämmverfahren) erweitern (und evtl. den Bestandsschutz Artikel durch den Härtefall-Fond ersetzen). Aber, wie in meinem obigen Kommentar (in Antwort auf Christine) schon erwähnt, aus Gründen der Umsetzungskapazität unter dem Vorbehalt, dass es genügend Altbauten der jeweiligen Bauart mit entsprechendem Einsparpotenzial gibt, damit es sich von der Priorisierung gegenüber anderen Maßnahmen lohnt.

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