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Bebauung neuer Flächen begrenzen

GermanZero GermanZero  •  2021-04-23  •    23 Kommentare  • 
Zersiedelung lässt sich durch Umnutzung bereits genutzter Flächen vermeiden
Zersiedelung lässt sich durch Umnutzung bereits genutzter Flächen vermeiden

Ziel: Neuinanspruchnahme von Netto-Null

Seit Jahrzehnten steigt in Deutschland der Flächenverbrauch weitaus stärker als die Zahl der Bevölkerung. Derzeit werden täglich im Durchschnitt 56 Hektar an naturnaher Fläche als Siedlungs- und Verkehrsflächen neu ausgewiesen.

Dabei ist Flächenverbrauch problematisch, da oft Flächen verloren gehen, die dem Klimaschutz dienen, weil sie CO2 binden und bei der Anpassung an den Klimawandel helfen können (z. B. indem sie Starkregen aufnehmen).

Eine nachhaltige Siedlungsentwicklung sollte – neben der Begrenzung von Zersiedelungstendenzen – darauf hinwirken, dass neue Flächen für Siedlungen und Verkehr nur noch dort in Anspruch genommen werden, wo eine Innenraumentwicklung nicht möglich oder sinnvoll ist – etwa weil sonst innerstädtische Grünflächen verloren gingen – und der Bevölkerungszuwachs dies erfordert.

Im Klimaschutzplan 2050 der Bundesregierung von 2016 wird eine Flächenkreislaufwirtschaft und eine Reduzierung der Neuinanspruchnahme auf Netto-Null vorgesehen. Der Bundesrat hat dieses Ziel 2011 schon bis 2025 eingefordert. Die aktuelle tägliche Flächenneuinanspruchnahme liegt mit 56 Hektar aber weit hinter diesen Forderungen.

Das 1,5-Grad-Gesetzespaket sieht deshalb folgende Maßnahme vor, um die Inanspruchnahme neuer Flächen zu begrenzen:

Verbindliche Grenzwerte: Um eine Neuninanspruchnahme von Flächen auf Netto-Null zu erreichen, sollten verbindliche Grenzwerte dafür aufgestellt werden. Verbleibende Flächenkontingente müssen auf die Bundesländer und anschließend auf die Kommunen verteilt werden – entweder über das Raumordnungsgesetz (ROG) oder über einen neu zu schaffenden Flächenzertifikatehandel. Letzterer hätte den Vorteil, dass Kommunen finanziell profitieren, wenn sie ihnen zugeteilte Kontingente nicht nutzen.

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Welche Chancen und Risiken bieten hier vorgestellten Maßnahmen für den Wandel zu einer klimaneutralen Gesellschaft?

Welche Herausforderungen müssen berücksichtigt werden?

Kommentare (23)

Für die Sektoren "Gebäude & Wärme" und "Industrie" haben wir die Kommentierung am 18. Mai beendet. Die Ergebnisse werden jetzt für die weitere Gesetzesarbeit ausgewertet.

  • Klimo

    Ein Flächenzertifikatshandel scheint sinnvoll, damit könnte sich mittelfristig auch eine Renaturierung von Flächen lohnen, wenn man die Handelsmöglichkeit auch auf Bestandsflächen erweitert. Eine Kommune mit einer leerstehenden Industrie-Fläche könnte sich vom Zertifikatsverkauf, ggf. die Renaturierung finanzieren, während die Fläche dann an anderer Stelle sinnvoller wieder genutzt werden kann.
    Diese "Wiederverwendung" von Flächen an einem anderen Ort sollte man im Zertifikatshandel vielleicht sogar besserstellen als einer Nutzung des Kontingents für reine Neuerschließung.
    Spontane Idee: Man nutzt dazu das Wertgefälle der Grundstücke aus. Firma X möchte in der Nähe seiner Mitarbeiter bei einer Großstadt A eine Produktionshalle auf 3ha bauen. In den Dörfern Y und Z liegen je 1,5 ha Industriebrache. Die Dörfer kaufen die brach liegenden Grundstücke zurück, die Stadt A verkauft das entsprechende neuerschlossene zum ortsüblichen höheren Preis an die Firma X. Von der Differenz wird über den Zertifikatstausch die Renaturierung in Y und Z finanziert. (Stadt A hat dafür dann Grund -und ggf. Gewerbesteuereinahmen)
    Funktionieren würde das System also am besten, wenn man Neuerschließungszertifikate initial speziell an Kommunen mit niedrigen Grundstückpreisen ausgibt und verknappt sie damit bei Städten mit höheren Grundstückspreisen. Dann siedelt sich entweder in der Fläche neu etwas an oder Städte nutzen ihr Flächen-Kapital für einen Zertifikatstausch. Sobald man sich der gesamte anvisierten Neuerschließungsfläche nähert wird und neue Zertifikate knapper (teurer) werden, erhöht sich zusätzlich der Anreiz zur Renaturierung von ungenutzten Flächen immer weiter.

    Weitere Überlegung wäre, ob statt der reinen die Fläche, besser der ökolgische Nutzen der Fläche im Zertifikat gehandelt werden sollte.

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  • Konstantin

    Ich sehe bei diesem Vorschlag die Gefahr, dass der ohnehin schon knappe und teure Wohnraum noch knapper und teurer wird, oder das zumindest medial bei der Diskussion des 1,5 Grad-Gesetzespakets sich daran aufgehangen wird (siehe die Diskussion zu "die Grünen wollen (angeblich) das Einfamillienhaus verbieten").

    Gibt es irgendeine Möglichkeit neue Flächen so zu besiedeln, dass man sie quasi als "null-emission" anrechnen könnte? Können wir Vorgaben erarbeiten, durch die eine Neubausiedlung der Umwelt nicht schadet?
    Falls ja, sollte das die Vorraussetzung für jede neue Baugenehmigung sein. Sollten die Maßnahmen sehr teuer sein, wäre über eine Subventionierung nachzudenken.

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