Zerolab

Menü
Zurück

Anreize für Sanierungen von Mietwohnungen stärken

GermanZero GermanZero  •  2021-04-23  •    18 Kommentare  • 
Faire Anreize für die Dämmung von Mietwohnungen setzen
Faire Anreize für die Dämmung von Mietwohnungen setzen

Eine Lösung für das Mieter-Vermieter-Dilemma

(Anmerkung: In diese Maßnahme sind Ergebnisse aus dem Vorschlags-Bereich des Zerolab eingeflossen.)

Das 1,5-Grad-Gesetzespaket von GermanZero sieht einen stetig ansteigenden CO2-Preis als zentrale Maßnahme vor. Für nicht ausreichend sanierte Mietwohnungen würde dieser Preis stetig wachsende Energiekosten bedeuten. Für Vermieter*innen entstünde dabei jedoch kein Anreiz zur energetischen Sanierung, weil sie die Mehrkosten einfach an die Mieter*innen weitergeben können – während diese über das sparsame Heizen hinaus keine substanzielle Möglichkeit hätten, Energie einzusparen. Dieses so genannte Mieter-Vermieter-Dilemma ist in Deutschland besonders relevant, weil 55 Prozent aller Wohnungen Mietwohnungen sind.

Damit ein steigender CO2-Preis seine Steuerungswirkung entfalten kann und Mieter*innen nicht unfair belastet werden, sieht das 1,5-Grad-Gesetzespaket folgende Maßnahmen vor:

  • Übernahme steigender CO2-Kosten durch die Vermieter*innen: Steigende CO2-Kosten sollten vollständig den Vermieter*innen auferlegt werden. Nur sie allein können über die Dämmung ihrer Gebäude und insbesondere auch den Austausch von Heizungen entscheiden. Da der steigende CO2-Preis nur für fossile Brennstoffe gilt, entsteht auf diese Weise zudem ein Anreiz, nichtfossile Heizungssysteme einzubauen.
  • Anteilige Heizkostenübernahme durch Vermieter*innen: Als zusätzlichen Anreiz für Vermieter*innen, energetische Sanierungen durchzuführen, wird der Grundkostenanteil der Heizkosten vor Erhöhung durch die CO2-Bepreisung zwischen Vermieter*in und Mieter*in aufgeteilt. Die Verteilung richtet sich nach den Energieeffizienzklassen: Je schlechter der energetische Zustand des Gebäudes, umso weniger darf die Vermieterin die Heizkosten abwälzen. Ist nach der Sanierung ein hohes Energieeffizienzniveau erreicht, tragen die Mieter*innen wieder die vollständigen Heizkosten, weil sie nun durch sparendes Heizen den größten Beitrag zur Energiereduktion leisten können.

Diskutiere unten in den Kommentaren

Welche Chancen und Risiken bieten hier vorgestellten Maßnahmen für den Wandel zu einer klimaneutralen Gesellschaft?

Welche Herausforderungen müssen berücksichtigt werden?

Kommentare (18)

Für die Sektoren "Gebäude & Wärme" und "Industrie" haben wir die Kommentierung am 18. Mai beendet. Die Ergebnisse werden jetzt für die weitere Gesetzesarbeit ausgewertet.

  • s_pappe

    Warum sollen Mieter überhaupt einen Anteil an der Heizkostenerhöhung übernehmen? Das Argument hierfür ist mir nicht klar.

      • Sabine (Moderatorin)

        Grüße Dich, s_pappe,
        Meinst Du diesen Passus?
        Zitat
        Als zusätzlichen Anreiz für Vermieter*innen, energetische Sanierungen durchzuführen, wird der Grundkostenanteil der Heizkosten vor Erhöhung durch die CO2-Bepreisung zwischen Vermieter*in und Mieter*in aufgeteilt. Die Verteilung richtet sich nach den Energieeffizienzklassen: Je schlechter der energetische Zustand des Gebäudes, umso weniger darf die Vermieterin die Heizkosten abwälzen. Ist nach der Sanierung ein hohes Energieeffizienzniveau erreicht, tragen die Mieter*innen wieder die vollständigen Heizkosten, weil sie nun durch sparendes Heizen den größten Beitrag zur Energiereduktion leisten können.
        Zitatende?
        Vermutlich ist das eine ziemlich gute Idee, weil
        1) Der/die Vermieter*in sehr viel der Erhöhung tragen muss, wenn die Energie-Effizienz-Klasse (EEK) schlecht ist.
        Sprich, der/die Mieter*in muss so gut wie nichts davon tragen... Momentan geben die Vermieter*innen die Heizkostenerhöhungen 1 zu 1 weiter...
        2) Wenn die Immobilie gut gedämmt ist (eine niedrige EEK) hat, sind die Heizkosten ohnehin niedriger...
        Kannst Du Dich mit der Idee anfreunden?
        Klimafreundliche Grüße
        Dein ZeroLab-Moderationsteam
        Sabine

          • s_pappe

            Liebe Sabine,
            jein. Theoretisch klingt die Idee passabel. In der Praxis sehe ich gerade für große Konzerne zuviel Potential zur missbräuchlichen Mietsteigerung auf Kosten der Gesellschaft.

            Ich gebe mal ein persönliches Beispiel: Seit mehr als 10 Jahren wohne ich in einem Wohnblock einer großen Mietgesellschaft. Ich bin Erstmieterin, der Wohnblock ist also noch nicht alt. Trotzdem wurde vor einigen Jahren eine energetische Sanierung der Außenwand durchgeführt und die Wand mit Kunststoffdämmplatten verkleidet, die als Dämmmaterial ohnehin fragwürdig und alles andere als "grün" sind. An meinem Energiebedarf änderte sich - NICHTS. Die Wohnung war bereits vorher gut gedämmt, ich musste wenig heizen, da diese auf der vollständigen Breite nach Süden hin verglast ist und durch die Blockbauweise Wärme gespeichert wird. Eine Minderung der Heizkosten ist in keiner Weise festzustellen, trotzdem erhöht sich die Miete.

            Wer überprüft im Einzelfall, ob Sanierungen wirklich sinnvoll und nötig sind? Wo sind die Vorgaben für die Dämmmaterialien? Solange die Regularien noch so lückenhaft sind, solange Mietwohnen überwiegend in der Hand profitorientierter privater Investoren liegt und der Staat sein Mandat nicht ausreichend wahrnimmt, sehe ich keinen Grund, die Mieter mitzubelasten.

            Wie wäre es mit einer Regelung, die die finanziellen Mittel und die Finanzkraft der Vermieter mit einrechnet? Eine Pauschalregelung, die kleine und große Vermieter gleichstellt, ist ohnehin nicht im Sinn sozialer Gerechtigkeit. Großinvestoren sollten auch stärker belastet werden als kleine Immobilienbesitzer*innen, die ihre Rente mit der Vermietung ihres Mehrfamilienhauses aufbessern.

            Liebe Grüße,

            Sandra

  • Linus

    Ich verstehe die Idee hinter dem Konzept und finde sie grundsätzlich gut, sehe aber noch ein paar Schwachpunkte:
    1. Man legt in dem Modell dem Vermieter meiner Meinung nach eine große Bürde auf. Er muss sich ja trotzdem sowohl um die Finanzierungsmöglichkeiten als auch um die ganze Organisation der Sanierungsmaßnahmen kümmern. Und in der Vereinfachung der Customer Journey sehe ich den größeren Hebel als den Vermieter durch „Strafen“ zum sanieren zu zwingen.
    2. Es könnte bei einer festen Warmmiete zu einem erhöhten Energieverbrauch der Mieter kommen, das wurde bereits auch schon in ähnlichen Modellen beobachtet. Das „Split-Inventive“ Dilemma wird also eventuell nur verschoben.
    3. Der Aufwand für die Anpassung der Gesetze zu so einem Modell ist recht hoch oder? Ich weiß jetzt zwar nicht wie es da bei anderen Vorschlägen zur Auflösung des Vermieter-Mieter-Dilemmas aussieht, aber ich denke bis so ein Gesetz umgesetzt wird geht vlt schon sehr viel kostbare Zeit verloren.

    Schreibe mir gerne, wenn meine Argumente falsch oder nicht stichhaltig sind. Ich beschäftige mich zur Zeit intensiv mit dem Thema und lerne immer gerne dazu! :)

      • Oliver (Moderator*in)

        Lieber Linus, für den Sparanreiz des Mieters soll es detaillierte Regelungen in Abhängigkeit der Effizienzklasse des Gebäudes geben. Wenn also der Vermieter seinen Beitrag geleistet hat zahlt der Mieter wieder alles. Aber nicht bei sehr hohem Bedarf und Nachlässigkeit der Vermieter. Eigentum verpflichtet. Um es den Vermietern aber auch zu ermöglichen sind Förderungen geplant. Meinst Du das könnte klappen? LG!

          • Linus

            Hi Oliver, das mit den Sparanreizen hört sich gut an. Bei der Förderung kommt es ganz stark auf die Art der Förderung an und wie einfach sie dem Immobilienbesitzer zugänglich gemacht wird. Welche Art von Förderung schwebt euch vor? KfW und Bafa Zuschüsse / Kredite und steuerliche Anreize gibt es ja aktuell schon.

              • Oliver (Moderator*in)

                Hi Linus, für sehr schlecht gedämmte Wohnungen soll ein verpflichtender Sanierungsfahrplan kommen. Die BAFA- und kfw-Förderung soll ausgeweitet aber an höhere Anforderungen geknüpft werden, damit ein ausreichend hoher Standard erreicht werden kann. Wichtig ist vor allem, dass der Anteil der CO2-Steuer und der Energiekosten in unsanierten Wohnungen mit schlechter Energieeffizienz stärker zu Lasten der Vermieterin gehen soll. Bei Wohnungen mit besserer Effizienz werden die Heizkosten wieder vom Mieter getragen. Das lässt sich mit einer Änderung der Heizkosten-Verordnung machen. Damit entsteht eine bessere Anreizwirkung, weil die Sanierung direkt zu Einsparungen bei der Vermieterin führt. Sie wäre aber richtig, weil bis zu einem gewissen Grad allein die Vermieterin die Wärmebedarfe über den Dämmstandard ändern kann. Die Anhebung der Kaltmieten ist andererseits ebenfalls reglementiert. Umlagefähig sollen die Sanierungskosten nach Abzug der Förderung ebenfalls nur sein, wenn sie einen gewissen Energiestandard erreichen. So kann insgesamt auch warmmietenneutral saniert werden.
                Auch wenn die Vermieterin zunächst die Kaltmieten erhöhen würde um die Mehrbelastung zu kompensieren ergäbe sich keine Erhöhung der Warmmieten für die Mieterinnen. Die Anreizwirkung durch die Energiekosten-Anteile bestünde aber weiterhin. Das ist der wesentliche Aspekt. Dieser Anreiz fehlt bisher völlig.
                Was hälst Du davon?
                LG!

                Keine Bewertungen  |  Ich stimme zu 0 Ich stimme nicht zu 0
                Keine Antworten
  • Sarahs_Plattensprung

    Wichtig ist hier aber zu beachten, dass durch die Dämmungsbestimmungen zum Teil auch Häuser darunter fallen, die dadurch Schimmel ansetzten. Die Chemikalien dafür sind in meinen Augen auch Klimaschädlinge, weshalb man da genau draufsehen muss ob es sinnvoll ist

      • Oliver (Moderator*in)

        Liebe Sarah, natürlich muss die Dämmung bauphysikalisch korrekt ausgeführt werden. Alle Gebäude sind bautechnisch auch unter Feuchteschutzaspekten dämmbar. Es gibt da viele Mittel und Wege.
        Einige Dämmstoffe haben ökologische Probleme, aber die Klimabilanz ist meistens enorm positiv. Beispiel: Zum Dämmen eines Hauses werden etwa 10 m3 Styropor benötigt. Das sind nur 200 kg! Es werden aber im Jahr mehrere tausend kg Heizöl oder Gas nicht verbrannt. Pro Jahr, während das Styropor für Jahrzehnte dämmt.

        Das Beispiel ist mit Absicht so gewählt, es gibt bessere bzw. ökologischere Dämmstoffe. Aber jede Dämmung ist besser als keine. Siehst Du das nicht so? LG!

        Keine Bewertungen  |  Ich stimme zu 0 Ich stimme nicht zu 0
        Keine Antworten