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Schrittweiser Austausch fossiler Heizstoffe

GermanZero GermanZero  •  2021-04-23  •    19 Kommentare  • 
Einst modern, heute Auslaufmodell: Heizen mit Öl
Einst modern, heute Auslaufmodell: Heizen mit Öl

Guter Zeitpunkt für den Austausch alter Anlagen

Die in Deutschland erzeugte Hauswärme ist für 13 % der Treibhausgas-Emissionen verantwortlich. Ein wesentlicher Grund: der sehr geringe Anteil erneuerbarer Energien an der Wärmeerzeugung. 2020 lag er bei 15,2 % (inkl. Industrie). Der Zeitpunkt ist günstig, um Heizanlagen nach und nach auszutauschen, sind sie doch im Durchschnitt bereits seit 17 Jahren in Betrieb. Hier sollten die richtigen Anreize für Investitionen geschaffen werden. Beim Ausstieg aus fossilen Energieträgern spielen Öl- und Gasheizungen die wichtigste Rolle, denn 23,5 % der Haushalte heizen noch mit Öl, 52 % mit Gas. Eine Alternative sind insbesondere mit Strom betriebene Wärmepumpen. Ihr Betrieb wird wirtschaftlich attraktiver, wenn der Strompreis um Bestandteile wie die EEG-Umlage und die Stromsteuer entlastet wird.

Ölheizungen

Ölheizungen im unsanierten Altbau haben die höchsten Treibhausgas-Emissionen aller Heizsysteme. Selbst moderne Ölbrennwertkessel weisen höhere Emissionen als andere Systeme auf. Für einen klimaneutralen Gebäudebestand bis 2035 dürfen möglichst bald keine neuen Ölheizungen mehr eingebaut werden. Bestehende Ölheizungen sollten wegen ihrer schlechten Klimabilanz zügig ausgebaut werden. Die Sanierungsverpflichtungen würden bereits zu einem Austausch zahlreicher Ölheizungen führen. Des weiteren findet sich im Gebäudeenergiegesetz (GEG) bereits ein Einbauverbot für Ölheizungen ab 2026, das jedoch zahlreiche Ausnahmen aufweist und deshalb ausgeweitet werden muss. Das 1,5-Grad-Gesetzespaket sieht folgende Maßnahmen für den zeitnahen Austausch von Ölheizungen vor:

  • Einbauverbot vorziehen: Das im GEG verankerte Einbauverbot für Ölheizungen sollte auf 2022 vorgezogen werden. Hierfür spricht insbesondere, dass Heizkessel i.d.R. nur alle 20-30 Jahre ausgetauscht werden. Bis 2026 neu installierte Ölheizungen müssten wieder ausgebaut werden, wenn das Ziel der Klimaneutralität erreicht werden soll.
  • Ausnahmen streichen: Die im GEG geregelten Ausnahmen sollten gestrichen werden. Die anteilige Verbrauchsdeckung aus erneuerbaren Energien kann den Einbau einer neuen Ölheizung nicht rechtfertigen.
  • Anreize für den Austausch: Die im 1,5-Grad-Gesetzespaket enthaltene ansteigende CO2-Bepreisung und die Sanierungsverpflichtung werden wirtschaftliche Anreize für den Austausch von Ölheizungen bieten. Darüber hinaus bietet die Bundesförderung für effiziente Gebäude (BEG) bereits jetzt einen Bonus für den Austausch einer Ölheizung.

Fossiles Gas

Um Klimaneutralität bis zum Jahr 2035 zu erreichen, ist es nötig, aus der Verbrennung nicht erneuerbaren Gases auszusteigen. Gasheizungen mit synthetischen Kraftstoffen sind zwar wenig effizient, doch ein technologieoffener Ansatz spricht dagegen, Gasheizungen von vorneherein zu verbieten. Ein stark steigender CO2-Preis dürfte Gasheizungen bereits in den nächsten Jahren zunehmend unattraktiv machen.

Das 1,5-Grad-Gesetzespaket sieht folgende Maßnahmen für den Ausstieg aus fossilem Gas vor:

  • Neubauten ohne Gasanschluss: Neubauten werden nur noch an das Gasnetz angeschlossen, wenn in dieses ausschließlich erneuerbares Gas eingespeist wird.
  • Neue Gasheizungen im Bestand nur noch unterstützend: Um in den nächsten Jahren Fehlinvestitionen in Gasheizungen zu vermeiden, dürfen im Bestand nur noch Gasheizungen eingebaut werden, wenn der überwiegende Anteil des Energiebedarfs mit erneuerbarer Energie oder Strom gedeckt wird. Dies stellt sicher, dass Gasheizungen nur noch unterstützend eingesetzt werden, um Spitzenlasten abzufangen.
  • Austauschprämie: Die vorgesehene CO2-Bepreisung und die parallel erfolgende Vergünstigung von Strom schaffen Anreize, beim Austausch einer Heizung Alternativen zur Gasheizung zu suchen. Die Förderung des Heizungsaustauschs nach der BEG bietet weitere Anreize zum Umstieg. Zudem sollte die derzeit beim Austausch einer Ölheizung gezahlte Prämie nach der BEG (10 % der Kosten) auf Gasheizungen erstreckt werden.
  • Steigende Einspeisequote: Gaslieferanten müssen dem Erdgas im Gasnetz ab 2025 erneuerbares Gas (grüner Wasserstoff, synthetisches Methan oder Biomethan) beimischen. Die Quote steigt bis 2035 auf 100 Prozent. Anders als Verbraucher*innen können die Lieferanten über die Zusammensetzung des Gases entscheiden. Die Quote kann notwendige Innovationen bei der Herstellung erneuerbaren Gases anstoßen.
  • BEG für regenerative Heizungen: Gefördert werden nur Kosten für regenerative Heizungen. Wird weiterhin eine fossil betriebene Gasheizung eingesetzt, ist diese nicht förderfähig. Die Förderung für Hybrid- und Renewable-Ready-Gasheizungen wird beendet. Gefördert werden auch umstellungsbedingte Umbaumaßnahmen, z. B. die Umstellung auf eine Flächenheizung.

Diskutiere unten in den Kommentaren

Welche Chancen und Risiken bieten hier vorgestellten Maßnahmen für den Wandel zu einer klimaneutralen Gesellschaft? Welche Herausforderungen müssen berücksichtigt werden?

Kommentare (19)

Für die Sektoren "Gebäude & Wärme" und "Industrie" haben wir die Kommentierung am 18. Mai beendet. Die Ergebnisse werden jetzt für die weitere Gesetzesarbeit ausgewertet.

  • Klaus Vollmann

    Mir fehlt hier der Fahrplan wie die Öl- und Gasheizungen im Bestand durch nicht-fossilie Heizungen ausgetauscht werden, so dass bis 2035 alle fossilen Heizungen weg sind.
    Damit nicht alle im Jahr 2035 ihre Heizung tauschen wollen und es dann sicher nicht genug Handwerker dafür gibt, braucht man einen verbindlichen Fahrplan durch den der Austausch sich einigermaßen gleichmäßig auf die Jahre bis 2035 verteilt.
    Eine Möglichkeit wäre dass nach Alter gestaffelt die Heizungen außer Betrieb gehen müssen, also z.B. bis 2025 müssen alle erstetzt werden alle die älter als 25 Jahre sind bis 2030 alle die älter als 20 Jahre sind und danach allle die älter als 14 Jahre sind. Bei Gasheizungen kann man eine Ausnahme machen wenn die mit erneuerbarem Gas (Biogas oder PTG) betrieben wird.

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  • Gabriele Straaß

    Zunächst: Ich finde sehr wichtig, dass wir im Gebäudesektor fossilfrei werden. In meinem Landkreis machte die Wärme beispielsweise bei der Erhebung 2013 45% der CO2 Emissionen aus (https://www.klimaschutz-landkreis-landsberg.de/klimaschutzkonzept/co2-gesamtbilanz-2013/).

    Wenn wir die Heizung sanierungsplichtig machen, würde ich das gerne auf den Sanierungsfahrplan, den ihr an anderer Stelle vorschlagt erstrecken. Denn vor einem Heizungsaustausch sollte ein Gebäude zunächst gedämmt werden, um eine Überdimensionierung der Heizung zu vermeiden. Allerdings kann eine Sanierungspflicht von Heizungen auch dazu führen, dass sich die Menschen über Alternativen Gedanken machen. Am besten Sanierungsfahrplan verpflichtend vor Heizungsaustausch oder so?
    Gut finde ich, dass ihr auch Umbaumaßnahmen, wie Flächenheizung statt Radiatoren, förderfähig machen möchtet.

    Außerdem: die Wärmepumpe setzt sich immer mehr durch, aber dafür finde ich Photovoltaik auf jedem Dach zur annähernden Eigenbedarfsdeckung wichtig, entlastet das Netz und erhöht den erneuerbaren Stromanteil. Und Gemeinden sollten Windräder bauen müssen, um die ausgleichende Wirkung der beiden Technologien zu nutzen.

    Dass ihr die Strompreise senken wollt, ist einerseits gut, andererseits für es dazu, dass aktuelle Amortisationspläne für Photovoltaik nicht mehr aufgehen:
    durch die hohen Strompreise rechnet sich PV auf dem Dach quasi immer, in guten Fällen in kürzer als 10 Jahren (ein Kollege hatte 7 Jahre), selbst im ungünstigsten Fall sind es maximal 15 Jahre (https://www.energieheld.de/solaranlage/photovoltaik/kosten/wirtschaftlichkeit-amortisation).

    Ein Hinweis: ich finde, dass in Deutschland bisher auch zu wenig über gebäudeintegrierte Photovoltaik geredet wird. In Schweiz gibt es beispielsweise auch eine Förderung für Fassadenphotovoltaik. Diese ist vermutlich nicht in jedem Fall sinnvoll, aber sollte Berücksichtigung finden.

  • Stephan Torkler

    Für Gebäude mit Nah-/Fernwärmeanschluss, d.h. ohne eigene Heizungsanlage muss eine Lösung mit Weiternutzung der bestehenden Infrastruktur gefunden werden. Für BHKW auf Basis von Erdgas sollte die Umrüstung auf den Betrieb mit grünem Wasserstoff/Methan entsprechend der Heizungsmodernisierung im privaten Bereich gefördert werden.

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  • Arnold Drewer

    es gibt ein Problem: im ländlichen Raum gibt es selten Gasnetze, und noch seltener Fernwärmenetze. Und eine WP ist nicht nur teuer (mit Tiefenbohrung bis zu 30.000 €) - sondern auch in nicht gedämmten Altbauten extrem ineffizient (dann kann man auch direkt eine Strom-Direktheizung einbauen) mit JAZ von max 3 (eher 2) Pelletanlagen sind z.Zt. noch sehr störanfällig

      • Gabriele Straaß

        Ich finde, man kann Wärmepumpen nicht einfach mit einer Sole-Wasser Wärmepumpe gleichsetzen, die eine Tiefenbohrung oder Kollektorflächen benötigt. Tatsächlich sind die heute im Neubau Luft-Wasser Wärmepumpen weit verbreitet, die mit Installation zwischen 15-17000 € liegen. Es stimmt aber, dass bei einer nachträgliche Installation auch eine Umstellung auf Flächenheizung sinnvoll ist (deshalb finde ich diesen Punkt bei Förderung auch für Umbaumaßnahmen oben sehr wichtig). Dass generell eine Dämmung alter Häuser sinnvoll ist, auch bei Verwendung einer Gasheizung, steht außer Frage.
        Und praktisch ist es sinnvoll, erst zu dämmen, um dann die Heizung nicht überzudimensionieren.
        Die Wärmepumpen die höhere Vorlauftemperaturen bieten, haben allerdings oft eine nicht so gute Jahresarbeitszahlen und das könnte sich negativ auf die Stromrechnung auswirken?

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      • Oliver (Moderator*in)

        Lieber Arnold, natürlich müssen alte Gebäude entsprechend gedämmt werden, sonst gibt es keine wirtschaftliche und klimafreundliche Beheizung. Die Dämmung soll entsprechend gefördert werden. Dann gibt es auch Wärmepumpen, die für die höheren, im Altbau benötigten Systemtemperaturen geeignet sind. Was hälst Du von diesem Maßnahmenpaket?

        LG!

          • Stephan321

            Altbauten sind nur in Ausnahmefällen auf Flächenheizung (mit neidrigen Vorlauftemperaturen) umbaubar. D.h. normale Luft-Wärempumpen sind im Gebäudebestand praktisch kaum anwendbar, Dämmung hin oder her.

            Es fragt sich also wirklich, was statt einer Ölheizung dann rein soll? Man hat Öl, weil eben keine Fernwärme vorhanden ist. Pflanzenöl ist derzeit technisch nicht machbar. Für Pellets ist der Lagerraum nicht vorhanden.
            Leicht ist es, einfach etwas zu verbieten, aber gebt den Leuten eine Chance! Fördermittel statt Repressalien wären auch besser (man muß das Geld für eine neue Heizung erstmal HABEN). Aber der Knackpunkt ist, was überhaupt technisch als Ersatz geht, das ist nicht geklärt!

              • Oliver (Moderator*in)

                Moin Stephan,

                R290-(Propan)-Wärmepumpen schaffen bis zu 70°C Vorlauftemperatur und können auch Warmwasser bereiten. Bei 45 bis 55°C kann ein gut gedämmter Altbau mit Radiatoren beheizt werden. Die Effizienz dieser Luft-Wasser-Wärmepumpen ist nicht schlecht! Auch bei hohen Vorlauftemperaturen erreichen sie einen COP von etwa 3. Um diese attraktiv zu machen soll der Strompreis gesenkt werden.
                Meinst Du, mit diesem Maßnahmenpaket könnte das klappen?

                LG!

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