Zerolab

Menü
Zurück

Der regionalste Baustoff ist auch der Beste, oder CO2-Bilanzierung für Baustoffe

bss architektur bss architektur  •  2021-05-12  •    20 Kommentare
Wald.jpg
Wald.jpg


Antrags-Code: ID-2021-05-104

CO2-Bilanzierung für Baustoffe, die Erstellung, Transport, Nutzungszeit und Entsorgung bilanzieren bei gleichzeitiger Förderung von CO2-reduzierenden und Besteuerung von CO2-emmitierenden Baustoffen.

Die Produktion und der Transport vieler Baustoffe und deren Rohstoffketten setzt enorme Mengen CO2 frei. Derzeit gilt das Augenmerk hinsichtlich der Reduzierung von CO2-Emissionen im Bereich von Gebäuden nur während der Nutzung. Ein Augenmerk auf die Herstellung und die Entsorgung erfolgt nicht. Für die Herstellung von Baumaterialien müssen aber teils enorme Energiemengen, sogenannte "graue Energien", aufgebracht werden. Diese Tatsache wird seit einiger Zeit zielführend wissenschaftlich erforscht. Auf europäischer Ebene wurden Produktkennzahlen, sogenannte "EPD"s (Environment-Product Declarations), für einzelne Materialien entwickelt und genormt, die die Eigenschaften der jeweiligen Materialien kennzeichnen. Auf Basis der jeweiligen EPD kann die Gesamtenergiebilanz zur Herstellung eines Bauwerkes erfasst werden.Hier sollte unser neues gemeinsames Gesetz anknüpfen. Zum Beispiel steuert die weltweite Zementindustrie zurzeit ca. 16 % der CO2 Emissionen bei. Beton aber auch Stein und Dämmstoffe aus EPS könnten in vielen Einsätzen schlichtweg durch besser bilanzierte Baustoffe ersetzt werden, zum Beispiel durch Holz. Holz ist ein natürlich nachwachsender Rohstoff - also erneuerbar. Holz speichert CO2 während der Wachstumsphase: 1 t Holz speichert fast die gleiche Menge CO2 (0,9 t). Der CO2-ausstoßende Herstellungsanteil von Holz als Baustoff (Transport, Trocknung, Verarbeitung) ist vergleichsweise so gering, dass in der Summe noch erhebliches Speicherpotential bestehen bleibt. Addiert man nun zu der CO2-Speicherung von Holz den eingesparten CO2-Wert anderer Materialien, die ja ersetzt anstatt aufwendig hergestellt und transportiert werden, verdoppelt sich dieses Potential nochmals unmittelbar. Regionales Holz darf natürlich nicht überregional transportiert werden. Auch hier könnte unser neues Gesetz wirksam gegen die zurzeit im Weltmarkt zu beobachten Rohstoffverschiebungen agieren. Dank moderner, vernünftiger Forstwirtschaft führt ein erhöhter Einsatz von Holz auch nicht zu einer Bestandsminderung unserer Wälder, sondern sogar sofort zu einer unmittelbaren Klimaentlastung: Ein nachhaltiger Forst hat sogar eine höhere CO2-Senkungsleistung als ein natürlich gewachsener (Ur-)Wald. Europa hat eine jährliche Zuwachsrate von rd. 510.000 ha. Die Bundeswaldinventur zeigt, dass der deutsche Wald mit 3,4 Mrd. m³ Holzvorrat in Europa mit an der Spitze steht. Mit 12 m³ pro ha und Jahr liegt der Holzzuwachs im positiven Bereich. Fazit: Je mehr Holz verbaut wird und je mehr Bäume gleichzeitig nachgepflanzt werden, desto mehr CO2 wird gespeichert und demzufolge reduziert. Dieses gigantische CO2-Einsparungspotential sollte sich unser Gesetzesentwurf zu Nutze machen. Holz ist in seiner Eigenschaft als nachwachsender Rohstoff und Baustoff generell nachhaltig. Damit das aber uneingeschränkt zutrifft, müssen die Wälder auch entsprechend bewirtschaftet werden. Ein weiterer Ansatz, der in unserem Gesetz Berücksichtigung finden könnte. Nachzulesen in vielfachen Studien, z.B.: Ruhr Universität Bochum, Prof. Dr.-Ing. Annette Hafner, Ressourceneffizientes Bauen, Treibhausgasbilanzierung von Holzgebäuden – Umsetzung neuer Anforderungen an Ökobilanzen und Ermittlung empirischer Substitutionsfaktoren. Um nun marktsteuernd einzugreifen, sollte ein CO2-Zertifikat auf den Gesetzesweg gebracht werden, dass die tatsächlichen Emissionen von Baustoffen aus der Erstellung, dem Transport, dem Betrieb und der Entsorgung abbildet und dann auch entsprechend besteuert oder fördert.

Für die Sektoren "Gebäude & Wärme" und "Industrie" haben wir die Kommentierung am 18. Mai beendet. Die Ergebnisse werden jetzt für die weitere Gesetzesarbeit ausgewertet.

  • Ludwig Pertl

    Der Gesamtzuwachs beim Wald ist nicht nur das oberirdische Holz, sondern auch die nicht nutzbare Biomasse wie ( Rinde= sollte im Wald bleiben) Äste/Blätter-Nadeln, Feinwurzeln und Grobwurzeln. Da nur bei hohem Zuwachs die Ökosystemleistungen erhalten werden können, ist der Gesamtzuwachs zu erfassen und zu berechnen. Die Bodenleistung entscheidet, was oberirdisch produziert werden kann.
    Da bei 1,5°C= Klimaziel Paris bei uns in großen Teilen in Deutschland die Temperatur mehr als doppelt so schnell steigt ( und in der Vegetationsperiode 3 mal so schnell wie weltweit), müssen unsere Wälder schnellstmöglich angepasst werden. Dies bedeutet eine starke Veränderung der potentiellen natürlichen Vegetation
    Wir benötigen stabile gemischte Dauerwälder mit gesunden,lebendigen Böden. Der Kippunkt wird derzeit überschritten und nicht mehr die Temperatur wie bisher, sondern das pflanzenverfügbare Wasser in der Vegetation entscheidet über die notwendige Produktion/ Leistungen.
    Dabei ist die Verdunstungsenergie im Sommer mehr als 100 mal höher als die Biomasseproduktion.
    So wird die Holzproduktion der Zukunft sich spürbar verändern und es müssen neue Absatzmärkte dafür gefunden werden.( weniger stoffliche Nutzung- mehr Laub-Pflege-Schwachholz).
    Der Zertifikate Preis für CO² sollte daher die Gesamtleistung erfassen ( 12 m³ oberirdisch = 24m² Gesamtleistung ) und sollte nach Energiegehalt berechnet werden.
    Die "gute,fachliche Praxis" ist neu zu formulieren. Die Einhaltung der Agenda 2030 Ziele muss hier die Basis sein.
    Zukunftsfähiger, enkeltauglicher Dauerwald muss mit den extremen Bedingungen zurecht kommen und dafür sind die Rahmenbedingen richtig zu setzten.
    Wer das Klima schützt, den Boden und die Ökosystemleistungen verbessert benötigt zusätzliche Beachtung, Unterstützung und finanzielle Anerkennung.

      • Sabine (Moderatorin)

        Guten Morgen, lieber Ludwig,
        meinst Du, die kannst die Unterlagen, die Du mir geschickt hast, als Link hier hineinhängen?
        Und könntest du bitte auch die Links zu "Life Future Forstprojekt" in:
        a) Hochschule Weihenstephan
        b) Landratsamt Landsberg Klima
        auch hier reinhängen?
        Das wäre wirklich großartig, weil dann alle Nutzer davon profitieren.
        Vielen lieben Dank
        Sabine vom ZeroLab-Moderationsteam

        Keine Bewertungen  |  Ich stimme zu 0 Ich stimme nicht zu 0
        Keine Antworten
  • Bengel-Engel

    Oh, danke, bss architektur!
    Du sprichst mir aus dem Herzen! Das ist ein wirklich guter Vorschlag! CO2, das in Form von Holz in Gebäuden über viele Jahre seine Dienste leistet, ist der ideale CO2-Speicher!
    Man kann ja, nein man muss Mischwälder anpflanzen, in denen die Bäume sich gegenseitig ergänzen. So kann man die Bäume, deren Holz zum Bau genutzt werden soll herausnehmen und die anderen stehen lassen. Neue Bäume zur Erzeugung CO2-freundlichen Baumaterials kann man ja dann zwischen die stehengebliebenen Bäume setzen.
    Im Wald wird doch auch viel Humus gebildet, der dann auch noch durch die Wurzeln der Bäume an Ort und Stelle gehalten wird!
    Humus ist ja wohl weltweit die größte CO2-Senke.
    Ich hoffe, dass Dein Vorschlag viele Unterstützer findet!

    Keine Antworten
  • Hartwig (Moderation)

    Hallo bss architektur. Sehr Danke für den Vorschlag und die Erkaelerungen. Ich habe 2 Fragen:
    (1) Kannst Du uns eine Quelle/Website für EPD nennen, so dass wir und eingehend mit dem Thema befassen können?
    (2) Gibt es deines Wissen schon irgendwo anders ein Zertifikat für Baustoffe ?
    Danke & Gruss
    Hartwig

      • bss architektur
        bss architektur  •  Verfasser*in  •  2021-05-12 16:02:55

        Hallo Hartwig, ich sende Dir weitere Infos über die EPDs:
        Die Abkürzung EPD leitet sich von der englischen Bezeichnung Environmental Product Declaration ab und wird auf Deutsch meist mit Umwelt-Produktdeklaration übersetzt.

        Eine EPD ist ein Dokument, in dem die umweltrelevanten Eigenschaften eines bestimmten Produktes in Form von neutralen und objektiven Daten abgebildet werden. Diese Daten decken möglichst alle Auswirkungen ab, die das Produkt auf seine Umwelt haben kann. Dabei wird im Idealfall der gesamte Lebensweg des Produktes berücksichtigt.

        Im Bauwesen bilden EPDs für Fachleute, wie Architekten und Planer, eine wesentliche Grundlage dafür, Gebäude ganzheitlich planen und bewerten zu können.

        CMEPD werden in Zusammenarbeit mit Ökobilanzierern erstellt und basieren auf Daten von Recycling- und Entsorgungsunternehmen. Sieenthalten konkrete Angaben zum Recycling bestimmter Produktgruppen und Materialtypen und liefern den Produktherstellern damit die für die EPD-Erstellung benötigten Ökobilanzergebnisse für die verschiedenen End-of-Life-Prozesse. Damit ein EPD-Ersteller das passende Szenario für sein Produkt wählen kann, werden außerdem Annahmebedingungen für Reststoffe sowie Informationen zur ordnungsgemäßen Installation beschrieben. So eliminieren CMEPD die Unsicherheit, wie ein Bauprodukt nach dessen Ausbau verwertet oder entsorgt wird, und ermöglichen die recyclinggerechte Planung und Realisierung von Gebäuden sowie deren vollständige ökologische Bewertung. CMEPD liefern darüber hinaus die Ökobilanzdaten für Sekundärrohstoffe.

        Geregelt soll die Verwendung von EPDs in der EN 15804+A2, die als europäische Norm für Umwelt-Produktdeklarationen ab 2022 die Abbildung des vollständigen Lebenszyklus von Bauprodukten sowie das Ausweisen eines Recyclingpotentials verlangt.

        Weiterführende Infos gibt es zum Beispiel hier: https://ibu-epd.com/ibu-data-start/ vom Institut Bauen und Umwelt e.V.

        Keine Bewertungen  |  Ich stimme zu 0 Ich stimme nicht zu 0
        Keine Antworten
      • bss architektur
        bss architektur  •  Verfasser*in  •  2021-05-12 16:04:33

        Fortsetzung:

        IBU.data ist eine Datenbank, bereitgestellt vom Institut Bauen und Umwelt e.V., mit der die ökobilanzbasierten Daten aus den Umwelt-Produktdeklarationen (EPDs) von Baustoffherstellern digitalisiert im XML-Format der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. Dies ermöglicht die Anwendung zur Berechnung von Gebäude-Ökobilanzen.

        Keine Bewertungen  |  Ich stimme zu 0 Ich stimme nicht zu 0
        Keine Antworten
      • bss architektur
        bss architektur  •  Verfasser*in  •  2021-05-12 16:22:38

        Zu Deiner zweiten Frage:
        Es gibt vieles aus den Verbänden und daher eigenverantwortlich entstandene Deklarierungen.
        Genau wie beim unten genannten IBU muss man natürlich überall die Lobbyarbeit erwarten und kritisch bewerten.
        Ziel für ein wirklich Klima rettendes Gesetz uns muss meines Erachtens ja sein, eine mittels der Norm erstellte Bilanzierung als Stellschraube für die tatsächliche Ökobilanz eines Bauproduktes "von der Wiege bis ins Grab" zu etablieren. Dann lässt sich auch von der Lobby nicht schön rechnen, dass Stein und Beton ganz ökologische Produkte sind, nur weil der Hersteller zum Beispiel auf Öko-Strom gewechselt hat.

        Keine Bewertungen  |  Ich stimme zu 0 Ich stimme nicht zu 0
        Keine Antworten
Dieser Vorschlag enthält keine Benachrichtigungen.
Keine definierten Meilensteine vorhanden