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Ecolabel - Transparenz für Konsumenten & Veränderung des gesamten Systems

maibaum maibaum  •  2021-03-05  •    5 Kommentare
Umweltlabel nach J. Poore, the Guardian 2019
Umweltlabel nach J. Poore, the Guardian 2019


Antrags-Code: ID-2021-03-44

Verpflichtende Ecolabels zeigen uns den gesamten ökologischen Fußabdruck von Nahrungsmitteln. Diese Transparenz führt gleichzeitig dazu, dass die gesamte Lieferkette auf Nachhaltigkeit setzen muss.

Eine Packung Reis kann 3x so umweltschädlich sein, wie die einer anderen Marke. Rindfleisch kann sogar 50x so umweltschädlich sein, wie das Rindfleisch daneben [1].  Die Produkte sehen gleich aus, schmecken gleich und kosten gleich. Der Konsument hat keine Möglichkeit herauszufinden welches Produkt nachhaltiger ist und keine Möglichkeit eine bessere Kaufentscheidungen zu treffen. 

Auf der anderen Seite zeigen uns die Daten, dass nicht jeder Landwirt sofort auf Bio umstellen sollte. Die 570 Millionen landwirtschaftlichen Betriebe weltweit produzieren mit vielfältigen Methoden bei unterschiedlichsten klimatischen Gegebenheiten und Bodenbeschaffenheiten. "One Fits All" Ansätze funktionieren hier nicht und ökologischer Landbau ist nur eine Methode unter vielen, die eingesetzt werden kann, um den ökologischen Fußabdruck des jeweilegen Betriebs zu reduzieren [2].

Woher wissen wir, dass Label funktionieren? "Wenn man eine Waschmaschine, einen Kühlschrank oder einen Fernseher in Europa kauft, kommt dieser mit einem Sticker. Dank der 1992 EU Direktiven müssen all diese Geräte mit ihrer Energieeffizienz gekennzeichnet werden. Diese Gesetze hatten große Auswirkungen auf den Markt. Anfangs waren 75% der Kühlschränke und Gefriergeräte zwischen G und D bewertet. Doch heute liegen 98% der Geräte zwischen A++ oder A+++. Weltweit hat sich die Energieeffizienz von Geräten mit Labeln 3x so schnell verbessert, wie von Geräten ohne Label. So ein System bei der Nahrungsmittelproduktion einzuführen würde zu noch größere Auswirkungen führen. 

Verpflichtende Ecolabel würden auf 3 tiefgreifende Wege verändern, wie wir produzieren und konsumieren.

Erstens müssten Produzenten ihre Umwelteinflüsse einheitlich messen und für die Resultate verantwortlich sein. Hierfür können kostengünstige digitale Tools, wie 'Fieldprint' und 'Cool Farm Tool' eingesetzt werden. Derzeitig schon durchgeführte Überprüfungen des Betriebes, sowie Sattelitendaten können genutzt werden, um die Informationen des Landwirtes zu validieren. 'Olam', eine der größten landwirtschaftlichen Firmen, trackt 160.000 Betriebe mit ihrem 'Farmer Information System'. 

Landwirte mit Tools ausstatten, die ihre Umwelteinflüsse tracken ist ein besserer Ansatz, als Sie dazu zu bringen bestimmte Praktiken einzusetzen. In China gab es ein riesen Programm indem 21 Millionen Landwirte involviert waren. Landwirte, die ihre Umwelteinflüsse überwachten und flexibel ihre Umweltbelastung addressierten, erzielten einen 12% verbesserter Ertrag und eine um 20% reduzierte Umweltbelastung, im Vergleich zu Landwirten, die dies nicht taten.

Zweitens unterstützen verplichtende Label nachhaltigen Konsum. Die Ergebnisse aus [1] zeigen, dass Produkte, die gleich aussehen, schmecken und kosten, dramatisch unterschiedliche Umweltbelastungen erzeugen. Labels würden dem Konsumenten ermögliche beide Produkte auseinander zu halten. Verplichtende Label würden auf die gleiche Art und Weise, über verschiedene Produkte, hervorheben welche Produzenten eine besonders hohe- und besonders niedrige Umweltbelastung aufweisen. Wir können Label auch dazu nutzen, dass kleine Veränderungen im Konsumverhalten zu großen Umweltbenefits führen. Das liegt daran, dass eine kleine Anzahl an Produzenten eine verhältnismäßig großen Anteil der Umweltbelastungen in der Landwirtschaft ausmachen. Einfach auf die Produkte dieser Produzenten zu verzichten kann einen großen Beitrag dazu leisten Emissionen zu reduzieren.

Drittens würden Ecolabels dazu führen, dass wir mehr Informationon über unser Ernährungssystem haben. Heute haben wir wenig Informationen. Das könnte politische Entscheidungen, besonders im Bereich Steuer und Subventionen, mit Umwelteinflüssen verbinden. Wenn Konsumeten Energieefiziente Elektrogeräte aussuchen, bewerten sie den Umwelteinfluss ungefähr gleich schwer, wie zukünftige Kostenersparnisse. Langfristig brauchen wir bessere finanzielle Anreize bei Nahrungsmitteln. Diese Anreize würden Produzenten ermutigen innovativ zu sein und ihre Praktiken zu verändern. Dies ist möglich: Mehr als eine halbe Billionen Dollar in Subventionon werden jedes Jahr zwischen landwirtschaftlichen Betrieben aufgeteilt, aber nur sehr wenig von diesem Geld ist an ökologische Probleme gebunden. 

Wir brauchen jetzt eine Implementierung von verpflichtenden Ecolabels. Dies würde nachhaltige Firmen belohnen, nachhaltigeren Konsum ermöglichen und bessere politische Entscheidungsfindung unterstützen. Diese einfache aber mächtige Veränderung könnte instrumental dafür sein die eskalierende Degradation unseres Planeten aufzuhalten und umzukehren."

Der Text in Anführungszeichen stammt zum Großteil frei übersetzt aus einem Interview vom Oxford Wissenschaftler Joseph Poore aus "the Guardian", 2019. Quellen zu vielen Aussagen sind hier im Originalartikel verlinkt: https://tinyurl.com/a4rwkrsd  

[1] Poore, J., & Nemecek, T. (2018). Reducing food’s environmental impacts through producers and consumers. Science, 360(6392), 987-992.

[2] Supplementary Material für [1] Grafik S6 (kurze Beschreibung dazu auch in [1])

Für den Sektor "Landwirtschaft, Landnutzung und Ernährung" haben wir die Kommentierung am 15. März beendet. Die Ergebnisse werden jetzt für die weitere
Gesetzesarbeit ausgewertet.

  • Uwe Brauer

    Ich bin für ein CO2e Label "cradle-to-grave", das ist am relevantesten für ein Klimaschutzplan.

    Das aber nicht nur für Nahrungsmittel, sondern für alle Produkte: von Auto über Internet bis zu Zement

      • maibaum
        maibaum  •  Verfasser*in  •  2021-03-08 21:20:32

        Sicher ist es sinnvoll solche Label in allen Branchen zu etablieren, aber gerade die für die Landwirtschaft ist es wichtig. In der Autoindustrie z. B. besitzen 14 Firmen die größten 54 Marken. Da hat man wenigstens noch Ansprechpartner für andere Maßnahmen. Bei der Landwirtschaft handelt es sich um hunderte Millionen unabhängiger Kleinproduzenten, die sind sehr schwer mit Maßnahmen direkt zu adressieren.
        Und im Ernährungssystem haben wir deutlich weniger Informationen über Umweltbelastung, als bei den meisten Branchen (liegt großteils auch an den vielen Akteuren), obwohl die Landwirtschaft Hauptverursacher von vielen der größten Umweltprobleme ist (siehe Modell der planetaren Grenzen).
        Daher ist es wichtig, andere Umweltprobleme neben CO2 in das Ecolabel aufzunehmen. Die Landwirtschaft ist z. B. für circa 26% Prozent der direkten Treibhausgasemissionen, aber für den überwiegenden Teil der Rodung von Wäldern (besonders Südamerikanischer Regenwald) verantwortlich.
        (Treibhausgasemissionen statt CO2 wäre wichtig, weil CO2 nur 66% vom Strahlungsantrieb ausmacht. Besonders in der Landwirtschaft sind Methan und Lachgas sehr relevant.)

          • Sabine (Moderatorin)

            Lieber maibaum,
            Du hast sicher auf dieser Seite https://beteiligung.germanzero.org/ gesehen, wie der Werdegang der Ideen ist, die mit vielen Fachleuten bei GermanZero zu einem Gesetzesentwurf entwickelt werden. Für das Thema „Landwirtschaft“ schließen wir heute die dritte von vier Stufen ab. Wir haben – auch Dank Deiner Beiträge und Stimmen – nun viel Material bekommen, das wir mit unseren Fachleuten für die nächste Stufe „Übersetzung in Gesetzestexte“ aufarbeiten werden.

            Ab Morgen fangen wir mit dem Thema „Energie“ an. Sicher hast Du hierfür auch richtig gute Ideen, die uns auf unserem Weg zum Ziel weiterbringen.
            Hoffentlich hast Du bei „Mein Konto“ die Häkchen so gesetzt, dass Du eine Benachrichtigung vom ZeroLab bekommst, wenn es Antworten zu Deinen Beiträgen gibt.
            Ach ja… und es ist sicher immer wieder gut, den Spam-Ordner zu besuchen, um zu sehen, ob nicht eine Nachricht vom ZeroLab aus Versehen dort gelandet ist…

            Bis hierhin vielen Dank an Dich!
            Wir freuen uns auf weitere Beiträge und wertvolle Ideen von Dir!
            Dein ZeroLab-ModerationsTeam

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      • Sabine (Moderatorin)

        Grüße Dich, Uwe,
        das ist sicher richtig. Wir hoffen, gute Beiträge von Dir zu sehen, wenn es um die nächsten Themen "Energie" und "Gebäude + Wärme" geht.
        Vielleicht magst Du ja für jedes Thema sogar einen eigenen Vorschlag auf unsere ZeroLab-Plattform stellen!
        Wir würden uns freuen!
        Dein ZeroLab-Moderations-Team

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