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Entwaldung in den Tropen stoppen – Berichtspflicht u/o Importregeln verschärfen

Susanne B. Susanne B.  •  2021-03-18  •    Keine Kommentare
Die Regenwaldvernichtung verschärft den Klimawandel (Foto: Daniel Bergius)
Die Regenwaldvernichtung verschärft den Klimawandel (Foto: Daniel Bergius)


Antrags-Code: ID-2021-03-54

Unternehmen + Finanziers sollten darlegen müssen, ob Geschäfte und Lieferketten Entwaldung verursachen, und Leitlinien dagegen beschließen. Ein Importverbot für Waren aus solchen Gebieten ist ratsam.

Maßnahmen:

Großflächige Abholzungen und Brandrodungen von Regenwäldern in Brasilien, Indonesien und andernorts sind stark klimaschädlich. Um die Zerstörung zu verhindern, sollte der Gesetzgeber in Deutschland hier ansässige und Geschäfte treibende Unternehmen, Banken und Investoren, die davon profitieren, in die Schranken weisen mit folgenden drei regulatorischen Elementen:

  • eine jährliche Berichtspflicht für Unternehmen, Banken und große Investoren (z.B. Vermögensverwaltungen, Versicherungen, staatliche und private Pensionseinrichtungen u.a.) darüber, ob sie direkt oder indirekt an illegaler Entwaldung beteiligt sind und was sie dagegen in ihren Lieferketten unternehmen; diese Berichtspflicht lässt sich verknüpfen mit der von der EU geplanten verschärften „CSR-Berichtspflicht“ für Unternehmen (Non-financial Reporting Directive), die derzeit überarbeitet wird, sowie in die neue, seit 10.3.2021 wirksame EU-Offenlegungsverordnung für Großanleger;
  • eine Pflicht für Unternehmen, Banken und große Investoren, binnen 2-3 Jahren interne Leitlinien gegen Entwaldung, Trockenlegung von Feuchtgebieten und Zerstörung von Ökosystemen zu erlassen und diese zu veröffentlichen (Vorbilder dafür gibt es bei wenigen internationalen Investoren);
  • ein Importverbot für land- und forstwirtschaftliche Erzeugnisse (Holz, Soja, Palmöl, Rindfleisch) und andere Güter / Rohstoffe (Erze, Metalle etc.), die aus Gebieten mit illegaler Entwaldung und Trockenlegung von Feuchtgebieten stammen; solche Gebiete lassen sich per Satellitentechnik erkennen (dafür gibt es spezialisierte Firmen); die Bundesregierung sollte sich bei der Europäischen Union dafür einsetzen, dass dies europaweit streng geregelt wird.

Begründung:

Großflächige Abholzungen und flächendeckende Brandrodungen tropischer Wälder in Indonesien und Brasilien heizen die Erderwärmung an, denn sie vernichtet sogenannte CO2-Senken. Überdies entweichen aus den Böden durch die geänderten Landnutzungen (Viehweiden, Soja- oder Palmölplantagen, Bergbau) Gase wie Methan und Lachgas, die viel klimaschädlicher sind als CO2. Infolgedessen könnte sich der Amazonas-Regenwald von einer Senke zu einer Nettoquelle von Treibhausgasen entwickeln, wie ein internationales Forscherteam im März 2021 im Fachmagazin „Frontiers in Forests and Global Change“ schrieb.

In Europa könnten mehrere Millionen Produkte des täglichen Bedarfs zur Abholzung und zum Abfackeln tropischer Wälder beitragen, weil Unternehmen nicht dagegen vorgehen, so eine Studie der britischen Umweltorganisation Global Canopy vom Januar 2021. Von 350 analysierten Unternehmen mit großen Entwaldungsrisiken haben demnach nur rund 25 Prozent Leitlinien für alle benötigten Rohstoffe.

Viele der anderen Firmen profitieren von der Entwaldung, indem sie große Mengen an Palmöl, Soja, Rind, Leder, Holz, Zellstoff und Papier verarbeiten, handeln oder Produkte daraus herstellen. Zu Firmen ohne veröffentlichte Entwaldungspolitik gehöre, so heißt es, Europas größter Schuhhändler, die deutsche Deichmann-Gruppe. Ein Blick auf deren Website bestätigt das: Die Nachhaltigkeitspolitik enthält etwa die Selbstverständlichkeit, gesetzliche Umweltauflagen umzusetzen, aber keine ökologischen Vorgaben für Rohstoffe.

Großen Einfluss auf Unternehmen haben deren Geldgeber. Doch von den weltgrößten 150 Banken, Pensionsfonds, Vermögensverwaltern und Versicherungen haben 95 keine Politiken veröffentlicht, um sicherzustellen, dass die von ihnen durch Kredite oder Investments finanzierten Unternehmen nicht zur Entwaldung beitragen, wie Global Canopy in ihrem Bericht Forest 500 im Januar 2021 belegte. Schon 2019 prangerte die Nichtregierungsorganisation Global Witness 2019 an, dass mehr als 300 Banken und Großanleger die Entwaldung mitfinanzieren.

Zwar äußerten in einer internationalen Umfrage von Responsible Investor, Credit Suisse und Naturschutzinstituten im Januar fast vier Fünftel der Häuser Sorge über den Biodiversitätsverlust, aber mehr als 90 Prozent von 250 antwortenden Investoren haben keine messbaren Biodiversitätsziele. Die anderen zehn Prozent zeigen aber, dass das möglich ist. Andere setzen sich als aktive Aktionäre gegen Entwaldung ein.

Für den Sektor "Landwirtschaft, Landnutzung und Ernährung" haben wir die Kommentierung am 15. März beendet. Die Ergebnisse werden jetzt für die weitere
Gesetzesarbeit ausgewertet.

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